11. März 2015

In eine dünne Fleecedecke gehüllt kann ich meinen Kaffee, auf meinem kleinen, gemütlichen Balkon, der an meinem Musikzimmer hängt, in der Sonne sitzend, genießen.

Meine Haut saugt das Licht und die Wärme der Sonne auf, wie Wurzeln der Kakteen in der Wüste den Regen, der so selten durchs Sandreich sickert.

Die Vögel singen sich gegenseitig ihre Melodien vor, die sie sich im langen Winter, in den Zeiten, als es zu kalt zum Singen war, ausgedacht haben.

Der Bach am Ende unseres Grundstücks, auf den ich von hier oben sehen kann, ist auch nicht zu überhören. An ganz heißen Sommertagen ist er nur zu erahnen, nur wahrzunehmen, wenn man ihn kennt, wenn man weiß, wo er ist. Doch heute ruft er jedem zu: “Hey, hier bin ich- hier bahne ich mir meinen Weg und niemand hält mich auf.“

Wo ich auch hinschaue sind die Bäume noch kahl, doch ein einziger, dessen Gattung ich leider nicht kenne, hat vorgestern begonnen, sein Haupt mit kleinen Blättern in dem zartesten Grünton, den ich je gesehen habe, einzukleiden. Noch ist sein Kleid so zart, dass ich hindurch schauen kann, in ihn hinein und durch ihn durch, wie durch einen Vorhang aus Seide und Wind. Es scheint, als würde jedes einzelne Blättchen, die zarten Äste vor der starken Märzsonne schützen wollen. Die erste Bettwäsche hängt draußen, beim Nachbarn im Garten, zwei Grundstücke weiter.

Mein Kater gesellt sich zu mir, legt sich erst auf den Bauch, dreht sich dann auf den Rücken und lässt mit geschlossenen Augen die Sonne auf seinen schneeweißen Pelz scheinen. Der Lavendelstock zu meinen Füßen hat den Winter hier einsam stehend überlebt. Ich greife nach zwei Blättern und reibe sie sanft zwischen meinen Fingern. Sie haben nichts von ihrem Duft verloren, wie wunderbar dieser Duft nach wohligem Leben. Irgendwann stehe ich in einem Lavendelfeld, die Augen geschlossen, nichts hören, nichts sehen. Nur riechen und fühlen, das Leben und die Liebe spüren … .

 

Tschuuhh .. macht es, und noch einmal, als zwei Enten nacheinander im Ententeich landen, der auch von meinem „Hochsitz“ aus zu sehen ist. Im Nachbarhof gackert der Hahn ganz aufgeregt, da die Tage im Stall nun endlich gezählt sind, alle Hühner nun frei im Hof und Garten laufen und er nun gerade gar nicht weiß, welches Huhn er zuerst beglücken soll, mit seinem großen Kamm, auf den er so stolz ist. Er ist ein wunderschönes Tier- ein pechschwarzer Hahn mit blauschwarz schimmernden Federn und einem feuerroten Kamm.

Ich nehme einen Schluck Kaffee und halte für einen Moment inne, bevor ich ihn runter rinnen lasse und nach schmecke. Auch die Holzdielen genießen die Wärme. Ächzend knarrend breiten sie sich aus, strecken und recken sich nach dem langen Winterschlaf.

Eine kleine freche Wolke schiebt sich vor die Sonne. Die feinen Härchen auf meinen Armen stellen sich auf, meine Haut wird pickelig und erinnert an das Aussehen einer gerupften Gans.

Was so ein kleiner Nordwindschub und so eine kleine freche Wolke das Sommerfeeling von eben so schnell zunichte machen können und mich ganz schnell erinnern: es ist erst März.